Dresden: Neonazis aus der Region Köln an Angriff auf „Praxis“ beteiligt

Dresden / Erftstadt / Köln. In der medialen Berichterstattung über den durch Blockaden tausender Menschen zum zweiten Mal in Folge verhinderten Neonazi-Aufmarsch in Dresden am vergangenen Samstag dominierten Bilder von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und antifaschistischen Gegendemonstranten. Dass es im Dresdener Stadtteil Löbtau zu einem massiven Angriff durch Neonazis auf das linksalternative Wohnprojekt „Praxis“ gekommen ist, wurde häufig nur als Randnotiz gemeldet. Ein Amateurfilmer hatte den minutenlang dauernden Angriff auf das Gebäude dokumentiert. Das Video zeigt, wie Neonazis unter den Augen der Polizei Pflastersteine auf die „Praxis“ werfen und mit Fahnenstöcken Scheiben einschlagen. Anhand der Aufnahmen wurden zwischenzeitlich die ersten Angreifer identifiziert, darunter auch Neonazis aus der Region Köln.

Screenshot aus dem Amateur-Video

Sebastian Z. Aus Erftstadt-Liblar nahe Köln wurde seine Jacke, die er häufig bei der Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen trägt, zum Verhängnis. Anhand des auffälligen Kleidungsstückes mit einer Aufschrift der Neonazi-Gruppe „Freie Kräfte Köln“ und dem Slogan „Good night left side“ wurde er schnell erkannt.

Offenbar befand sich auch der Neonazi Paul Breuer aus Köln-Dellbrück unter den Angreifern. Das Internetportal „NRW rechtsaußen“ schreibt: „Der Kölner Breuer gilt als ‚rechte Hand‘ des Neonazi-‘Führers‘ Axel Reitz und ist ebenso wie ein weiterer neonazistischer Gewalttäter aus Erftstadt, der offensichtlich ebenfalls an der Attacke beteiligt war, Mitglied der ‚Freien Kräfte Köln‘. In Videos, die den Angriff der Gruppe dokumentieren, ist Breuer zu erkennen, wie er mit Armbewegungen Anweisungen an umstehende Neonazis gibt, die immer wieder mit Steinen und Stöcken die Fenster der Häuser attackieren. Deutlich erkennbar ist auch, wie Breuer einen Stein aufhebt und diesen in Richtung Gebäude wirft.“


Der Kölner Paul Breuer (links) in Dresden mit dem mutmaßlichen zweiten Angreifer, Sebastian Z. aus Erftstadt
Foto: http://linksunten.indymedia.org

Die „Praxis“ war schon im vergangen Jahr Ziel von Anschlägen durch mutmaßlich neonazistische Täter. Am 17. August wurden mehrere Scheiben an dem Gebäude mit Pflastersteinen eingeworfen und zwei Tage ein Brandanschlag verübt. Die Bewohner konnten sich alle unverletzt retten. Dem schnellen Eintreffen der alarmierten Feuerwehr war es zu verdanken, dass sich der Sachschaden auf zwei Räume beschränkte.

Sebastian Z. soll auch im Februar 2010 in Dresden an Angriffen durch Neonazis auf ihre Gegner beteiligt gewesen sein. Die örtliche Antifa veröffentliche Fotos, die den Erftstädter in einer Gruppe teilweise bewaffneter Neonazis zeigen. Darunter ist auch der Dürener Denis U. („Kameradschaft Aachener Land“) zu erkennen, der im Januar vom Amtsgericht Aachen u.a. wegen schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wurde. (mf)

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2 Antworten auf „Dresden: Neonazis aus der Region Köln an Angriff auf „Praxis“ beteiligt“


  1. 1 Seismograph 23. Februar 2011 um 17:01 Uhr

    Auch weitere Neonazis aus der Region – u.a. aus dem Raum Aachen und dem Kreis Düren – waren zumindest passiv an dem Angriff beteiligt. Dies berichtet Michael Klarmann, Journalist aus Aachen:

    http://klarmann.blogsport.de/2011/02/23/rechts-auch-passivkader-aus-dem-rheinland-in-dresden/

  2. 2 ich 23. Februar 2011 um 22:35 Uhr

    Hier sind wir auch noch am machen: http://linksunten.indymedia.org/de/node/34151

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