Aachen: Neonazis wollen linke „Tierrechtler“ blockieren

Aachen. Wenn das mal gut geht. Die neonazistische „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) ruft dazu auf, morgen (Freitag, 25. Februar) eine Demonstration linker „Tierrechtler“ in Aachen zu blockieren. Die Gruppe „Antispezizistische Aktion Aachen“ plant ab 18 Uhr eine „Anti-Repressions-Demo“, die auf dem Theaterplatz starten soll. „Mit der Teilnahme an der Demonstration handelt Ihr auf Eure Verantwortung und nicht auf die eines einzelnen Anmelders! Die Demonstration ist nicht angemeldet! Bitte verhaltet Euch der Situation entsprechend und angemessen!“ schreiben die Initiatoren auf ihrer Website. Die Aktion sei nicht bei der Versammlungsbehörde angemeldet worden, weil man nicht mit dem Repressionsapparat, der „Menschen in den Knast steckt, ermordet oder verfolgt“ zusammen arbeite wolle.
Der Aufruf zur Demonstration bleibt ansonsten weitgehend unkonkret. Bezug genommen wird auf ein Verfahren gegen Aktivisten der so genannten „Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung“, die im März 2010 in Österreich vor Gericht standen. Die schwammige inhaltliche Positionierung und die Tatsache, dass „Antispezisismus“ in der politischen Linken höchst umstritten ist, ist wohl auch der Grund, dass gerade mal ein gutes Dutzend Gruppen den Aufruf zur „Anti-Repressions-Demonstration“ unterstützen. Immerhin gilt der australische Moralphilosoph Peter Singer als Wegbereiter der Ideologie des „Antispezizismus“, dessen Positionen als neoliberal und menschenverachtend gelten und dem die Gutheißung der Euthanasie vorgeworfen wird.
Daher überrascht es kaum, das linke Gruppen aus Aachen und der Umgebung fast völlig in der Liste der Unterstützer für die morgige Aktion fehlen. Dass sich die „Kameradschaft Aachener Land“ ausgerechnet einige selbst in der antifaschistischen Bewegung weitgehend politisch isolierten Grüppchen als Gegner ausgesucht hat, dürfte wohl als Retourkutsche für den zum zweiten Mal in Folge verhinderten, bis zum Jahr 2009 größten europäischen Neonazi-Aufmarsch, am vergangenen Wochenende in Dresden zu werten sein. Ohne Zweifel ist spätestens seit dem Angriff auf eine antifaschistische Demonstration im Frühjahr 2008 in Aachen durch Aktivisten der KAL das in der Gruppe versammelte Gewaltpotenzial offensichtlich. Ob sich die Neonazis tatsächlich wie angekündigt um 17:30 Uhr in der Aachener Innenstadt sammeln wollen, um die „Tierrechtler“ zu stören, ist aber auch aufgrund des in den vergangenen Wochen und Monaten stark gewachsenen staatlich Drucks auf die Neonazi-Gruppe mehr als fraglich.
Sicher dürfte nur sein, dass morgen in Aachen die Polizei mit einem größeren Aufgebot im Einsatz sein wird – um sowohl die „Tierrechtler“ als auch eventuell auftauchende Neonazis in Empfang zu nehmen. Im Anschluss an die geplante Demonstration soll im Aachener „Autonomen Zentrum“ (AZ) ab 20:30 Uhr eine „Antirepressions-Soli-Party“ mit den Bands „Punk-o-Mat“ und „Chapter 2“ stattfinden. (mf)

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2 Antworten auf „Aachen: Neonazis wollen linke „Tierrechtler“ blockieren“


  1. 1 Holgar 24. Februar 2011 um 17:02 Uhr

    Repression ist ein Thema, das alle linken Strukturen betrifft. Deshalb ist dies auch keine reine Tierrechtsdemo. Es geht hier um staatliche Repression. Nicht um eine vegane Lebensweise oder die Abschaffung der Pelzindustrie. Das geht auch aus dem Aufruf hervor. Es wird lediglich die Repression in Österreich gegen TierbefreiungsaktivistInnen als Aufhänger genutzt, weil es ein einmaliges Beispiel staatlicher Zerstörungswut ist. Nur selten wird in einem solchen Ausmaß (Observierungen, Abhörungen, Spitzel in der Szene etc.) gegen politische AktivistInnen vorgegangen, um sie auszuschalten.

    In sofern betrifft die Demonstration morgen ALLE die sich in linken Strukturen bewegen.

    Antispe und Antifa.

  2. 2 Seismograph 28. Februar 2011 um 10:12 Uhr

    Wie erwartet hat sich die Ankündigung der Neonazis als „Ente“ erwiesen:

    http://klarmann.blogsport.de/2011/02/27/rechts-kal-outet-ihren-fake-als-kleine-suesssauere-ente/

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