Archiv für März 2011

„Autonomes Zentrum“: Eiszeit im kölschen Kulturkampf

Köln. Die Kampagne „Pyranha“ befürchtet, dass das „Autonome Zentrum“ (AZ) im Stadtteil Kalk morgen (29. März) von der Polizei geräumt wird. Knapp 60 Unterstützer der Initiative zogen heute vor und in das historische Rathaus um gegen die Räumungspläne zu protestieren. Die Stadtspitze stellt weiter auf Stur uns ist zu Gesprächen mit den Hausbesetzern nicht bereit.

Applaus, Jubel und Pfiffe: So hat sich das Brautpaar den großen Tag wohl kaum vorgestellt. Neben der Hochzeitsgesellschaft werden sie auf dem Rückweg vom Standesamt auch von rund 60 Unterstützern und Sympathisanten des Kölner AZ empfangen. Die überwiegend jungen Leute befürchten, dass am morgigen Dienstag das seit April vergangenen Jahres besetzte Gebäude von der Polizei geräumt werden soll. In einer via Internet verbreiteten Erklärung heißt es, dass die Hausbesetzer Informationen erhalten haben, dass „definitiv“ am Dienstag geräumt werden soll. Weiter heißt es: „Die einzige Chance, die wir haben, ist massenhaft vor Ort zu sein. Wenn wir das AZ Köln schützen wollen, brauchen wir die Unterstützung von euch allen! Auf diese Art haben wir schon einmal eine Räumung verhindert – wir schaffen das auch noch einmal!“
Kurz nach 15 Uhr hatten die Aktivistinnnen und Aktivisten heute vor dem Kölner Rathaus eine spontane Kundgebung abgehalten. Gartenstühle und ein Sonnenschirm wurden aufgestellt und Transparente an der Fassade angebracht. Derweil protestierte ein Teil der Demonstranten lautstark mit Sprechchören („Kein Tag ohne Autonomes Zentrum“) und Trommeln im Foyer des Rathauses.
Während einer improvisierten Pressekonferenz kritisierte eine Sprecherin des AZ, dass die geplante Räumung ein deutliches Signal sei, dass die Stadt Köln keine Auseinandersetzung auf politischer Ebene führen wolle. „Wir werden dafür kämpfen, dass es weiter ein AZ in Köln gibt.“ Sie kündigte neue Besetzungen für den Fall einer Räumung an: „Das AZ ist eine Idee, die nicht an ein Gebäude gebunden ist“. Seit der Besetzung der ehemaligen KHD-Kantine in der Kalker Wiersbergstraße im April des vergangen Jahres sei die Zahl der Unterstützer für das Projekt stark gewachsen. Als gegen 16 Uhr eine Hundertschaft der Polizei aus Bonn anrückte, hatte sich das Geschehen wieder auf den Rathausvorplatz verlagert. Bei Sonnenschein und elektronischer Musik herrschte dort Partystimmung, bis die Aktion um 17 Uhr beendet wurde.
Die Aktivistinnen und Aktivisten hoffen nun darauf, dass sich zahlreiche Unterstützer bis zum Morgen in Köln-Kalk einfinden, um die Räumung zu verhindern. (mf)

Fotos






Köln: Antifa-Demo gegen Neonazi-Konzert

Köln. Für Samstag (19. März) rufen Neonazi-Gegner zu einer antifaschistischen Demonstration in Köln auf. Diese beginnt um 18 Uhr auf dem Wiener Platz im Stadtteil Mülheim. Hintergrund sind offenbar Pläne von Neonazis, am Abend im Kölner Norden ein Rechtsrock-Konzert zu veranstalten. In dem via Internet verbreiteten Aufruf zur Antifa-Demo heißt es, dass bei der der „Boots only Party im Rheinland“ neben anderen die Düsseldorfer Neonazi-Band „Non Plus Ultra“ auftreten soll. Antifa-Gruppen rufen dazu auf, dieses Konzert zu verhindern: „Doch genau so, wie der Atomausstieg immer noch Handarbeit ist, ist es auch der Kampf gegen faschistische Strukturen – es ist an uns allen, Köln nicht den Nazis zu überlassen“. (mf)

Neuer Anti-Atom-Protest am Samstag in Köln

Köln. Atomkraftgegner planen neue Aktionen. Für Samstag, 19. März, kündigen sie eine „Großdemonstration“ in Köln an. Diese soll um 14 Uhr auf dem Neumarkt beginnen. Nähere Details sind bislang noch nicht bekannt.
Bereits am Montag hatte es in Köln zwei Mahnwachen gegen Atomenergie mit hunderten Menschen gegeben, eine weitere kleinere Aktion mit rund 140 Teilnehmern folgte am Dienstag. Zu Wochenbeginn fanden auch in zahlreichen weiteren Orten der Region Proteste statt. Bemerkenswert war, dass auch in der Peripherie die Anti-Atom-Bewegung an Stärke gewinnt. Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten in Euskirchen rund 100 Menschen durch die Innenstadt. Und im beschaulichen Eifel-Städtchen Monschau kamen 70 Menschen zu einer Mahnwache zusammen. (mf)

Neonazis beginnen Mobilisierung nach Stolberg

Stolberg. Neonazis werben knapp drei Wochen vor den angekündigten Aufmärschen in Stolberg bei Aachen am 8. und 9. April verstärkt für die Teilnahme. Eigenangaben aus der Szene zufolge hat am vergangenen Samstag im Kreis Mettmann eine „Mobilisierungsveranstaltung“ stattgefunden, an der angeblich 80 Neonazis teilgenommen haben sollen. Neben dem Aufmarschorganisator und ehemaligen NPD-Funktionär Ingo Haller aus dem Kreis Düren traten demnach auch Sven Skoda (Düsseldorf), Axel Reitz (Pulheim bei Köln) und der Wuppertaler Kevin Koch als Redner auf. Auch der aus Gütersloh stammende Rapper und kürzlich in die Neonazi-Szene übergelaufene „Makss Damage“ habe demnach gesprochen. „Makks Damage“ hatte sich jahrelang in linken Gruppen bewegt, war aber wegen seinen israelfeindlichen und teils antisemtischen Songtexten zunehmend auf Ablehnung gestoßen.
Ebenfalls am vergangenen Samstag haben Neonazis eigenen Angeben zufolge in Leverkusen Flugblätter für die Aufmärsche in Stolberg verteilt und offenbar in der Nacht zu Sonntag Plakate und Aufkleber verklebt. Auch in Stolberg haben Neonazis begonnen, Aufkleber und Plakate, die für die braunen Aktionen werben, zu verkleben. Dies berichten Nazigegner aus der Stadt.
Seit April 2008 nutzen die Neonazis den gewaltsamen Tod eines 19jährigen Berufsschülers, um rassistische Demonstrationen in Stolberg mit bis zu 800 Teilnehmern durchzuführen. In diesem Jahr planen sie einen „Fackelmarsch“ am Abend des 8. April, am 9. April soll ab dem Mittag ein sogenannter „Trauermarsch“ stattfinden. Das „Bündnis gegen den Naziaufmarsch 2011“ hat angekündigt, den „Trauermarsch“ mit massenhaften Menschenblockaden zu verhindern. Unterstützt wird die Initiative inzwischen von rund 100 Organisationen und Dutzenden Einzelpersonen. Das „Stolberger Bündnis gegen Radikalismus“ plant wie in den vergangenen Jahren auch Aktionen in der Stolberger Innenstadt. Fernab der Neonazi-Route findet am 9. April ab 12 Uhr eine Kundgebung auf dem Kaiserplatz mit anschließender Demonstration zum Jordanplatz statt. Über durch das lokale Bündnis geplante Proteste gegen den „Trauermarsch“ am Freitag ist bislang nichts bekannt. Antifa-Gruppen werben unter dem Motto „Let’s destroy the Myth of Stolberg! – Das Nazi-Event platzen lassen!“ auch für Proteste gegen den Neonazi-Aufmarsch am Freitagabend. (mf)

Anti-Atom-Proteste in Aachen, Köln, Bonn und Euskirchen

Aachen / Bonn / Düren / Euskirchen / Köln. Die sich abzeichnende nukleare Katastrophe in Japan treibt in Deutschland die Atomkraft-Gegner auf die Straße. In unzähligen Städten sind für heute (Montag, 14. März 2011) Aktionen angekündigt. Auch in der Region sollen zahlreiche Proteste stattfinden.

Zwei Aktionen in Köln?

Atomkraftgegner rufen für 18 Uhr zu einer Kundgebung am Kölner Dom auf. Bei Facebook wird zudem für eine zeitgleiche Veranstaltung am Rudolfplatz geworben. Die Kölner Grünen rufen dazu auf, an dieser Aktion teilzunehmen.

Proteste in der Region Aachen und im Kreis Düren sowie im Köln-Bonner Umland

In Aachen treffen sich Demonstranten um 18 Uhr am Elisenbrunnen. In Bonn organisiert die „Anti-Atom Gruppe Bonn“ einen „Montagsspaziergang“. Dieser beginnt um 18 Uhr am Bertha von Suttner-Platz (Ecke Belderberg/ Friedrichstr.). Auch in Herzogenrath (Ferdinand-Schmetz-Platz) und Alsdorf (Denkmalplatz) bei Aachen wollen Kernkraftgegner um 18 Uhr protestieren. In Monschau in der Nordeifel ruft dass „Bürgerbündnis gegen Atomkraft“ zu einer Mahnwache vor dem Rathaus auf. Diese beginnt allerdings erst um 18:30 Uhr. Im Köln-Bonner Umland gehen um 18 Uhr in Pulheim (Marktplatz) und Troisdorf-Siglar (Vor dem Netto-Markt / Im Kirchtal 2) Kernkraftgegner auf die Straße. In Düren findet die Aktion auf dem Rathausvorplatz statt, in Jülich (Kreis Düren) auf dem Marktplatz.

Anti-Atom-Demonstration in Euskirchen

In Euskirchen soll ab 17:30 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Fukushima ist überall! – Atomkraftwerke abschalten“ stattfinden. Die Kernkraftgegner treffen sich dort am Bahnhof. In der Kreistadt in der (Vor-) Eifel hatte erst kürzlich eine Atom-Atom-Menschenkette mit mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattgefunden. Heute wollen die Demonstranten in die Euskirchener Fußgängerzone ziehen, um wiederum vor dem Wahlkreisbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten Detlef Seif den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie zu fordern.

Eine Übersicht über die angekündigten Aktionen in den verschiedenen Städten gibt es auf http://antiatompiraten.piratenpad.de/demotermine und http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/fukushima.html (mf).

Nachlese: Milde Strafen für rechte Bombenbastler aus Aachen

Aachen. Zwei Aachener Neonazis, denen u.a. die Vorbereitung von Explosionsverbrechen zur Last gelegt wurde, sind wieder auf freiem Fuß. Das Landgericht Aachen hob am 21. Februar die Untersuchungshaft auf und verhängte Bewährungsstrafen. Die beiden Aachener Falko W. (20) und Daniel T. (25) mussten sich wegen verschiedener Vorwürfe vor der Jugendkammer des Landgerichts Aachen verantworten. Wegen der schweren Vorwürfe saßen beide seit September des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Beide konnten das Aachener Justizzentrum als freie Männer verlassen. (mehr…)