„Autonomes Zentrum“: Eiszeit im kölschen Kulturkampf

Köln. Die Kampagne „Pyranha“ befürchtet, dass das „Autonome Zentrum“ (AZ) im Stadtteil Kalk morgen (29. März) von der Polizei geräumt wird. Knapp 60 Unterstützer der Initiative zogen heute vor und in das historische Rathaus um gegen die Räumungspläne zu protestieren. Die Stadtspitze stellt weiter auf Stur uns ist zu Gesprächen mit den Hausbesetzern nicht bereit.

Applaus, Jubel und Pfiffe: So hat sich das Brautpaar den großen Tag wohl kaum vorgestellt. Neben der Hochzeitsgesellschaft werden sie auf dem Rückweg vom Standesamt auch von rund 60 Unterstützern und Sympathisanten des Kölner AZ empfangen. Die überwiegend jungen Leute befürchten, dass am morgigen Dienstag das seit April vergangenen Jahres besetzte Gebäude von der Polizei geräumt werden soll. In einer via Internet verbreiteten Erklärung heißt es, dass die Hausbesetzer Informationen erhalten haben, dass „definitiv“ am Dienstag geräumt werden soll. Weiter heißt es: „Die einzige Chance, die wir haben, ist massenhaft vor Ort zu sein. Wenn wir das AZ Köln schützen wollen, brauchen wir die Unterstützung von euch allen! Auf diese Art haben wir schon einmal eine Räumung verhindert – wir schaffen das auch noch einmal!“
Kurz nach 15 Uhr hatten die Aktivistinnnen und Aktivisten heute vor dem Kölner Rathaus eine spontane Kundgebung abgehalten. Gartenstühle und ein Sonnenschirm wurden aufgestellt und Transparente an der Fassade angebracht. Derweil protestierte ein Teil der Demonstranten lautstark mit Sprechchören („Kein Tag ohne Autonomes Zentrum“) und Trommeln im Foyer des Rathauses.
Während einer improvisierten Pressekonferenz kritisierte eine Sprecherin des AZ, dass die geplante Räumung ein deutliches Signal sei, dass die Stadt Köln keine Auseinandersetzung auf politischer Ebene führen wolle. „Wir werden dafür kämpfen, dass es weiter ein AZ in Köln gibt.“ Sie kündigte neue Besetzungen für den Fall einer Räumung an: „Das AZ ist eine Idee, die nicht an ein Gebäude gebunden ist“. Seit der Besetzung der ehemaligen KHD-Kantine in der Kalker Wiersbergstraße im April des vergangen Jahres sei die Zahl der Unterstützer für das Projekt stark gewachsen. Als gegen 16 Uhr eine Hundertschaft der Polizei aus Bonn anrückte, hatte sich das Geschehen wieder auf den Rathausvorplatz verlagert. Bei Sonnenschein und elektronischer Musik herrschte dort Partystimmung, bis die Aktion um 17 Uhr beendet wurde.
Die Aktivistinnen und Aktivisten hoffen nun darauf, dass sich zahlreiche Unterstützer bis zum Morgen in Köln-Kalk einfinden, um die Räumung zu verhindern. (mf)

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2 Antworten auf „„Autonomes Zentrum“: Eiszeit im kölschen Kulturkampf“


  1. 1 fischling 29. März 2011 um 7:05 Uhr

    Schöner Artikel, vielen Dank dafür.
    Habe zwei inhaltliche Ergänzungen. Die Gruppe Pyranha gibt es in der Form nicht mehr, soweit ich weiß. Diese und andere Aktionen allein diesen zuzuschreiben ist in erster Linie unfair denjenigen gegenüber, die aus anderen Gruppen aktiv mit gestalten. Das ist für Außenstehende natürlich nicht immer ersichtlich, vor allem wenn die ollen Pyranha-Plakate recyclet werden.
    Das perfide Verhalten der politischen Verantwortlichen verdient auch eine kleine Verdeutlichung. Das Gelände gehört ja noch der Immobilientochter der Sparkasse. Die muß dieses und andere aber eigentlich bald an die Stadt abtreten, weil nachweislich unfähige Spekulanten. Die Stadt weist jede politische Verantwortlichkeit in der Sache deswegen von sich, da ja Privateigentum. Nun machen sie grad Druck, damit die Sparkasse noch räumt bevor die Übergabe stattfindet. Damit die Räumung keinen politischen Schaden verursacht. Das ein Großteil des Aufsichtsrates der Sparkasse durch die gleichen Politiker besetzt ist, zeigt die eigentliche Bigotterie des Ganzen.

  2. 2 anybany 31. März 2011 um 15:48 Uhr

    wer is denn der typ mit dem sekt auf bild5?

    Das ist jemand von den Hochzeitsgästen, die an der AZ-Kundgebung vorbeikamen.

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