Euskirchen: Gastwirt setzt neonazistischen Diskussionszirkel vor die Tür

Euskirchen. Ein für den kommenden Samstag (30. April) angekündigter „Kongress“ mit dem Titel „Die europäischen Völker und ihre abendländische Kultur“, der in einer Gaststätte in Euskirchen stattfinden sollte, fällt ins Wasser. Der betroffene Wirt reagierte prompt auf Hinweise und setzte die extrem Rechten vor die Tür. Für die Tagung des „Akademiekreises“, einem seit mindestens 2005 aktiven locker organisiertem Diskussionszirkel, rechnete der aus Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) stammende Organisator Werner Keweloh mit bis zu 160 Teilnehmern. Am Mittag hatte das Fachportal „Blick nach Rechts“ berichtet, dass als Referenten der Geschichtsrevisionist Olaf Rose, der seit 2006 für die NPD tätig ist und für die neonazistische Partei im auch Stadtrat des sächsischen Pirna sitzt, sowie Rigolf Henning und Wjatscheslaw Daschitschew auftreten sollten. Henning ist seit 2006 NPD-Stadtrat im niedersächsischen Verden sowie Abgeordneter im Kreistag. Keweloh ist regelmäßiger Referent bei Organisationen aus verschiedenen Spektren der extremen Rechten. Zunächst war er im rechtskonservativen Millieu – etwa der „Deutschen Partei“ aktiv – und wandte sich in den vergangenen Jahren verstärkt dem offen neonazistischen Spektrum zu. Das Infoportal „NRW Rechtsaußen“ berichtete, dass er Ende 2009 in die NPD eingetreten sei.
Ein erste Veranstaltung des „Akademiekreises“ hatte in der betroffenen Gaststätte bereits im November 2010 stattgefunden. „Schon damals hatte ich ein mulmiges Gefühl“, erklärte der Gastwirt. Seine Gäste habe er damals nicht als Neonazis erkannt.
Zu den Referenten am 27. November 2010 zählte u.a. die vorbestrafte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Auch eine Delegation der sogenannten „Russlanddeutschen Konservativen“ um den in Hürtgenwald (Kreis Düren) lebenden Johann Thießen hatte an der Veranstaltung in Euskirchen teilgenommen. Thießen ist Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat‘ der Deutschen aus Russland e.V.“, einer beim Amtsgericht Düren eingetragenen neonazistischen Kleinstorganisation sogenannter „Spätaussiedler“. Insgesamt waren 2010 etwa 60 Teilnehmer nach Euskirchen gekommen.
Heute Nachmittag kündigte der Gastwirt schriftlich den mit Keweloh geschlossenen Mietvertrag. Er sei über die wahren Hintergründe der geplanten Veranstaltung getäuscht worden. „Die kommen hier nicht rein, auch wenn ich die Türen verschließen muss“.
Ob der „Akademiekreis“ kurzfristig neue Räumlichkeiten für seinen „Kongress“ findet ist angesichts der zahlreichen Veranstaltungen am Vorabend des 1. Mai mehr als fraglich. (mf)

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2 Antworten auf „Euskirchen: Gastwirt setzt neonazistischen Diskussionszirkel vor die Tür“


  1. 1 Student 29. April 2011 um 6:21 Uhr

    Großen Respekt an den Gastwirt! Nazis müssen merken, dass sie überall wo sie auftreten unerwünscht sind!

  1. 1 Lesetipp: Rechtes Treffen wanderte offenbar ins Ahrtal ab « NRW rechtsaußen Pingback am 02. Mai 2011 um 23:32 Uhr
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