Der kleine braune Grenzverkehr zwischen „pro NRW“ und NPD

Euskirchen / Köln. Wer flirtet denn da mit wem? Kurz vor dem am 7. Mai in Köln geplanten „Marsch für die Freiheit“ lässt Markus Beisicht, Vorsitzender der selbsternannten „Bürgerbewegung pro NRW“, keine Gelegenheit aus, seine Organisation als seriöse rechte Kraft darzustellen. Der Leverkusener bezeichnet sich in einem gestern auf der Website von „pro Köln“ veröffentlichten „Interview“ als „engagierten Demokraten“. Nahezu gebetsmühlenartig grenzen sich „pro Köln“ und „pro NRW“ gegen die noch weiter rechts stehende Parteien und Organisationen ab. „Es gab und gibt keinerlei Zusammenarbeit mit NS-Nostalgikern und dem NPD-Narrensaum!“, gab Beisicht etwa im September 2008 im Gespräch mit der rechten Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu Protokoll. Oder an anderer Stelle im Sommer des vergangenen Jahres: „Deutschland braucht eine breite rechtsdemokratische Sammlungsbewegung in strikter Abgrenzung zum NS-Narrensaum.“

Diese Selbstinszenierung der „demokratischen Rechten“ fällt jedoch regelmäßig wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Etwa dann, wenn das „pro“-Fußvolk sich nicht an das Kontaktverbot zum „Narrensaum“ hält. Jüngstes Beispiel: Am vergangenen Samstag tagte der extrem rechte „Akademiekreis“ im Ahrtal. Weil die Veranstaltung, zu der u.a. die beiden NPD-Funktionäre Olaf Rose und Rigolf Henning als Redner angekündigt worden waren, kurzfristig verlegt wurde, erreichten nicht alle Interessenten den neuen Veranstaltungsort. Zu den verhinderten Teilnehmern, die vergeblich nach Euskirchen angereist waren, zählte auch eine Frau, die in der Vergangenheit mehrfach bei Aktionen von „pro Köln“ respektive „pro NRW“ auftrat. Fotos, die „Seismograph“ vorliegen, belegen, dass die ältere Dame etwa bei „pro“-Kundgebungen im Februar vor dem Rohbau der neuen DITIB-Moschee in Köln-Ehrenfeld oder im November 2010 am NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln teilgenommen hat.

Ob nun eine „pro“-Anhängerin mit dem NPD-nahen „Akademiekreis“ kuschelt oder vice versa – vom „Rechtsdemokraten“ Beisicht wird wohl keine Aufklärung zu erwarten sein. Das ist letztlich auch gleich. Rassismus ist der Kitt, der beide Strömungen verbindet. Bei der „pro-Bewegung“ kommt er unter dem Deckmantel der „Islamkritik“ daher, bei der NPD und ihrem Umfeld in der alten völkischen Variante.

Übrigens: Er solle im politischen Narrensaum untergehen, wünschte Markus Beisicht Anfang 2009 einem damaligen Konkurrenten. Die Rede ist von Andreas Molau, ehemaliger Funktionär der neonazistischen NPD und der „Deutschen Volksunion“ (DVU). Mittlerweile ist der ehemalige Vorsitzende der einschlägig extrem rechten „Gesellschaft für freie Publizistik“ Beisitzer im Landesvorstand von „pro NRW“. Noch Fragen? (mf)

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