Fundamentalistische „Piusbruderschaft“ zieht nach Köln-Kalk

Köln-Kalk. Noch ist der Schaukasten vor dem Gotteshaus in der Kalker Steinmetzstraße leer. Dies könnte sich bald ändern. Die ehemalige „Neuapostolische Kirche“ im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil soll neues Domizil der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ werden. Im Dezember 2010 berichtete der Kölner Stadtanzeiger über den Kauf der Immobilie. Georg Schmidt, Pressesprecher des Erzbistums Köln, wurde mit den Worten zitiert, man sein „nicht glücklich“ über den Kauf. Mit der „Piusbruderschaft“ gebe es „keine Einheit“.

Die traditionalistische, am rechten Rand des Katholizismus angesiedelte „Piusbruderschaft“um den französischen Bischof Marcel Lefebvre hatte in den 1980er Jahren den offiziellen Kurs des Vatikans verlassen und damit begonnen, eigene Strukturen aufzubauen. Die Gruppierung hetzt in ihren Schriften gegen Homosexuelle, Abtreibungen, Muslime und emanzipatorische Bestrebungen. Der „Priesterbruderschaft“- Gründer Marcel Lefebvre wurde 1991 zu einer Geldstrafe wegen rassistischer Äußerungen und Anstiftung zum Rassismus verurteilt. Lefebvre hatte unter anderem behauptet, dass Muslime keine „richtigen Franzosen“ sein könnten. 2010 gerieten die religiösen Fundamentalisten weltweit in die Schlagzeilen, als ihr Bischof Richard Williamson wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro verurteilt wurde. Williamson hatte in einem Interview mit einem schwedischen Fernsehsender den Holocaust an den Juden geleugnet. Für das Berufungsverfahren in dieser Sache engagierte Williamson einen bekannten Anwalt der extremen Rechten. Wolfram Nahrath war letzter “Bundesführer” der im Jahr 1994 verbotenen Neonaziorganisation „Wiking-Jugend“, die lange in Stolberg (Städteregion Aachen) ihren Sitz hatte. Heute ist Nahrath im Umfeld der neonazistischen NPD aktiv. Williamson musste sich nach Protesten einen neuen Anwalt suchen.


Das neue Domizil der „Piusbruderschaft“ soll in gut drei Wochen eröffnet werden.

Auch die Kölner „Priesterbruderschaft“ fiel schon negativ auf. Auf einer Mahnwache der extrem rechten „Bürgerbewegung pro Köln“ sprach Ende 2008 der in der Domstadt lebende „Priesterbruder“ Joseph Intsiful. Neue Anhänger findet die „Priesterbruderschaft“ beispielsweise im Umfeld der NPD. Vor kurzem ließ sich in Regensburg Willi Wiener, Bruder des Kalker „Pro Köln“-Bezirksvertreters Markus Wiener, von der „Priesterbruderschaft“ bekehren und trat aus der NPD aus. Wiener war Kreisvorsitzender des NPD-Kreisverbandes Regensburg. Schon 2010 war Willi Wiener bei einer Veranstaltung der „Priesterbruderschaft“im bayrischen Zaitzkofen gesehen worden.

Die Kalker Kirche der „Piusbruderschaft“ soll am 28. Mai 2011 um 10 Uhr eingeweiht werden. Anschließend soll ein „Stehempfang“ stattfinden. Ob es die Menschen im zunehmend linksalternativ geprägten Stadtteil Kalk ohne Widerspruch hinnehmen, dass sich nach der türkisch-nationalistischen DITIB und der islamistischen Milli Görüs dort weitere reaktionäre religiöse Fundamentalisten ansiedeln? (mf)

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1 Antwort auf „Fundamentalistische „Piusbruderschaft“ zieht nach Köln-Kalk“


  1. 1 Köln: Nach Polizeikontrollen antirassistische Demo in Kalk « Seismograph Pingback am 19. Juni 2011 um 16:48 Uhr
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