Köln: Spaziergang statt „Marsch für die Freiheit“


Köln. Ein mal über den Rhein und zurück. Monatelang hatte „pro Köln“ für den sogenannten „Marsch für die Freiheit“ die Werbetrommel gerührt. Nachdem 2008 der „Anti-Islam-Kongress“ aufgrund von Blockaden tausender Gegendemonstranten ins Wasser fiel und auch eine Wiederholung 2009 für „pro Köln“ nur mäßig verlief, war es der dritte Versuch der rechtspopulistischen Organisation, in Köln auf der Straße stärkere Präsenz zu zeigen.


Ein „freundlicher“ Gruss vom „Autonomen Zentrum“ aus Köln-Kalk an die rechten Demonstranten

Am vergangenen Samstag glich der „Marsch“ dann eher einem Spaziergang. Durch Blockaden von „pro“-Gegnern am Bahnhof Leverkusen-Opladen, einem der Sammlungspunkte der rechten Demonstranten, und in der Kölner Innenstadt verzögerte sich der Beginn der Demonstration um rund zwei Stunden. Und auch der ursprünglich geplante Weg zum Rudolfplatz war versperrt. Man lasse sich nicht „mürbe machen“ verkündete „pro NRW“-Generalsekretär Markus Wiener am Samstag Mittag nahe des Deutzer Bahnhofes. Bis dahin waren nur etwa 80 Rechte zur Auftaktkundgebung eingetroffen. Zeitweise konnte fast der Eindruck entstehen, dass mehr Medienvertreter als „pro“-Anhänger vor Ort waren. Erst kurz vor 14 Uhr traf eine weitere größere Gruppe extrem rechter Demonstranten ein.


Die „Internationale der Nationalen“ am Heumarkt

Neben Mitgliedern und Anhängern von „pro“ nahmen auch einige Dutzend Mitglieder der mittlerweile politisch weitgehend unbedeutenden „Republikaner“ (REP) teil. Einige „Republikaner“ sorgten in Deutz für die Belustigung von den Gegendemonstranten, die rund 50 Meter entfernt lautstark gegen das rechte Stelldichein protestierten. Mit ihren Schildern zogen sie immer wieder Kreise um die restlichen „pro“-Anhänger. Die Teilnahme der REP am von „pro Köln“ organisierten „Marsch für die Freiheit“ stellt ein Novum dar. Zwischen beiden Parteien zeichnet sich eine engere Kooperation ab. Der REP-Vorsitzende Rolf Schlierer und sein Stellvertreter Johann Gärtner traten in Köln als Redner auf. In einem Interview mit der rechten Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ spricht der „pro NRW“-Vorsitzende Markus Beisicht von Plänen, bei der Bundestagswahl 2013 oder der Europawahl im darauf folgenden Jahr als „gemeinsame Formation“ anzutreten.


Die „Republikaner“ (REP) und „Pro NRW“ bzw. „Pro Köln“ nähern sich an

Aus Berlin war eine Gruppe von „Pro Deutschland“ um den ehemaligen Kölner Stadtrat Manfred Rouhs angereist. Der belgische „Vlaams Belang“ (VB) war deutlich sichtbar vertreten, von der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ nahm hingegen nur eine kleine Delegation teil. Filip Dewinter, VB-Fraktionsvorsitzender im flämischen Regionalparlament, beschwor die „Internationale der Nationalen“. Für die FPÖ traten Susanne Winter und Wolfgang Jung an das Mikrofon. Taylor Rose hielt eine Rede als Vertreter der US-amerikanischen „Tea Party“-Bewegung, Jacques Cordonnier (Vorsitzender von „Alsace d‘abord“, zu deutsch: „Elsass zuerst“) für den französischen „Bloc Identitaire“.

Der rassistische Tross zog vom Bahnhof Deutz über die Rheinbrücke bis zum Heumarkt. Hermetisch von der Polizei abgeriegelt und damit de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand dort die Abschlusskundgebung statt. Es sei „die größte freiheitliche Kundgebung, die Köln jemals erlebt hat“, frohlockte Beisicht. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge nahmen etwa 300 Rechte an der Demonstration teil. Am Mittag sprach ein „pro“-naher Internetblog von „mehren hundert hoch motivierten“ Demonstranten, auf dem Heumarkt verkündete „pro-NRW“-Generalsekretär Markus Wiener dann die Zahl von 1100 Teilnehmern beim „Marsch für die Freiheit“. „Ich werde deshalb nach diesem großartigem Erfolg den Gremien unserer Bürgerbewegung vorschlagen, diese Freiheitsmanifestation als jährliche Traditionsveranstaltung auch in Zukunft fortzuführen“, kündigte Beisicht an.


Sauftouristen vom „Vlaams Belang“

Und auch die Bilder, die die um Seriosität bemühte „pro“-Bewegung um jeden Preis vermeiden wollte gab es am Samstag: Einige mit dem „Vlaams Belang“ angereiste Teilnehmer waren augenscheinlich bereits beim Auftakt in Deutz betrunken. Die Kundgebung am Heumarkt nutzten sie, um sich mehrfach mit Whiskey-Cola in einem nahegelegenen Kiosk einzudecken. (mf)

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