Archiv für Juni 2011

Köln: Nach Polizeikontrollen antirassistische Demo in Kalk

Köln. Am Rande des „Kongresses für autonome Politik“, der am Wochenende im „Autonomen Zentrum“ (AZ) in Kalk tagte, fand heute Mittag eine Demonstration in dem rechtsrheinischen Stadtteil statt. Rund 120 zum Teil vermummte Demonstranten zogen über die aufgrund eines zeitgleich stattfindenden Straßenfestes stark belebte Kalker Hauptstraße und von dort weiter in den nördlichen Teil Kalks.

Mit Parolen wie „Kein Mensch ist illegal“ und „Schluss mit den rassistischen Kontrollen“ protestierten sie gegen die Polizeiaktionen, die seit dem 7. Juni in Kalk stattfinden und von „antifaschistischen Gruppen“ in einem heute verteilten Flugblatt als „rassistisch“ gebrandmarkt wurden: „Seit dem 7. Juni kam es in den nördlichen Teilen Kalks zu umfangreichen Kontrollmaßnahmen seitens der Polizei. Im Fokus standen vermeintliche Osteuropäer, mit der Begründung, dass sich die von diesem Personenkreis ausgehende Straftaten, wie Raubüberfalle, Diebstähle und Hehlerei verdoppelt hätten.“ Die Demonstranten kritisierten, dass die Kontrollen nach rassistischen Kriterien erfolgten und Menschen, die sich mit den Betroffenen der Polizeimaßnahmen solidarisierten, teilweise Platzverweise erhalten hätten. „Niemand sollte aufgrund seiner Herkunft in eine staatlich erdachte ‚Täterrolle‘ abgestuft werden. […] Wir fordern, dass die rassistische Repression hier in Köln-Kalk und auch sonst überall umgehend aufhört!“

Die antirassistischen Losungen kamen in dem Stadtteil mit hohem Anteil von Menschen mit Migrationsbiografie gut an: Viele Anwohner winkten den Demonstranten zu und klatschten Beifall, einige schlossen sich dem Protestzug an.


Die Demonstration führte auch durch die Steinmetzstraße, dabei ging das Glas an einem Schaukasten einer katholischen Kindertagesstätte zu Bruch. Offenbar ein Versehen, Adressat der Aktion dürfte die direkt benachbarte Kirche der extrem rechten „Piusbruderschaft“ gewesen sein. Die Polizei begleitete die offenbar spontan organisierte Demonstration mit wenigen Beamten, griff jedoch nicht ein. (mf)

Erftstadt-Herrig: Antifa verhindert rechte „Mahnwache“

Erftstadt. Die Antifa in Erftstadt hat eigenen Angaben zufolge am gestrigen Samstag eine „Mahnwache“ für den umstrittenen Peter Mörs verhindert. Im Stadtteil Herrig hätten sich spontan rund zwei Dutzend Antifaschisten am Peter-Mörs-Platz versammelt und so ein Treffen von Mörs-Fans unterbunden.

Hintergrund der Aktion ist offenbar eine Auseinandersetzung über die Rolle Mörs in der Zeit des Hitlerfaschismus. Der 2008 verstorbene Mörs war von 1974 bis 1989 Ortsvorsteher in Herrig und gehörte für die CDU mehr als 20 Jahre dem Rat des Amtes Lechenich bzw. später dem Stadtrat von Erftstadt an. „Peter Mörs steht stark im Verdacht sich aktiv an der Deportationen von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus beteiligt zu haben. Das teilten uns Anwohner mit, die namentlich nicht genannt werden wollen“, erklärte Luca Plette. Pressesprecherin der Antifa Erftstadt.

Antifa-Protest in Erftstadt-Herrig

Auf Antrag der CDU war der Platz in Herrig 2009 nach Peter Mörs benannt worden. Zu der für gestern geplanten „Mahnwache“ unter dem Motto „Für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Geschichte!“ war im Vorfeld mit anonymen Flugblättern geworben worden. Der Aufruf gegen den angeblichen „Rufmord“ an Mörs war in einem einschlägig rechten Duktus verfasst. Unter anderem hieß es: „Selbst wenn es stimmen würde, dass Mörs in der SA tätig war, so interessiert das die heutige junge Generation nicht mehr. Außerdem ist es irrsinnig, einen Polizisten für seinen Dienst zu kritisieren. Der Krieg ist seit 66 Jahren vorbei und man muss endlich aufhören, fremdbestimmt die Heimat zu beschmutzen und seine eigene Identität zu verleugnen.“ Daher würden sich „Jugendliche und junge Erwachsene, Deutsche, denen ihre Heimat nicht egal ist“ zur „Mahnwache“ für den „Ehrenmann“ Mörs treffen.

Marcel Schrink von der Antifa Erftstadt warf den Autoren des Aufrufs zur Mahnwache Nähe zur neoanzistischen Ideologie vor: . „Neonazis sehen die ‘deutsche Identität’ als von den Alliierten ‘fremdbestimmt’ an. Nicht nur sprachlich,sondern vor allem auch inhaltlich, ist der Aufruf also dem politisch extrem rechten Rand zuzuordnen!“ „Wann immer der Nationalsozialismus verherrlicht, ein Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit gezogen oder Nationalismus propagiert wird, werden wir unseren Protest zeigen“, erklärte Luca Plette.

Der spontane Protest in Herrig sei Auftakt der Kampagne „…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“ gewesen. Diese ziele darauf ab, ,,Neonazis und ihre soziale Verankerung öffentlich zu benennen, sowie Impulse für die antifaschistische Praxis zu liefern.“ (mf)