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Kreis Ahrweiler: „Akademiekreis“ foppte Gastronomin

Kreis Ahrweiler. Wie berichtet, tagte am vergangenen Wochenende der extreme rechte Diskussionszirkel „Akademiekreis“ um den Rheinbacher Werner Keweloh (NPD) in Rech. Die Betreiberin des Hotels, indem die rechte Tagung stattfand, hat sich nun scharf von dem braunen Debattierclub distanziert. Dies geht aus einer E-Mail hervor, die „Seismograph“ vorliegt. „Es ist mir nicht bekannt gewesen, dass so eine Gesellschaft, wie Sie es beschreiben, in meinem Hause zu Gast war.“ Die Betreiberin habe angenommen, dass es sich um einen „Kultur-Verein“ handele. Es ist eine alt bekannte Masche, dass extrem rechte Parteien und Organisationen versuchen, unter falschen Angaben Räume für Veranstaltungen anzumieten. Während man in Rech dem „Akademiekreis“ auf den Leim ging, setzte ein Euskirchener Wirt die extrem Rechten kurzfristig vor die Tür, nachdem er über die Hintergründe der Tagung informiert wurde. „Ich würde diese Art von Veranstaltung niemals dulden“, beteuerte die Recher Gastronomin. An der rechten Tagung sollen etwa 60 Personen – darunter auch Familien mit Kindern – teilgenommen haben. Erwartet hatte Keweloh im Vorfeld bis zu 160 Teilnehmer. (mf)

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Kreis Ahrweiler: Braune Kaffeefahrt zum Rotweinwanderweg

Euskirchen / Kreis Ahrweiler. Der extrem rechte „Akademiekreis“, ein locker organisierter Diskussionszirkel, konnte am vergangenen Samstag auf Grund der Intervention von Antifaschisten nicht wie ursprünglich geplant in Euskirchen (NRW) tagen. Die konspirativ organisierte Veranstaltung wurde kurzfristig in das nördliche Rheinland-Pfalz verlegt.

Bei bestem Wetter herrschte im Ahrtal Hochbetrieb. In den Dörfern zwischen Altenahr und Walporzheim waren die Mitglieder verschiedener „Maivereine“ damit beschäftigt, Maibäume aufzustellen. Wer als Wanderer oder Wochenendausflügler einkehren wollte, konnte eine böse Überraschung erleben. Etwa wenn man im Hotel „Recher Hof“ ein Spargelgericht verzehren wollte. Der „gut bürgerlich geführte Familienbetrieb“ im Weinort Rech wirbt auf seiner Website mit einem angenehmen Aufenthalt in „ansprechendem Ambiente“. Am Samstag herrschte dort ein ganz anderes Flair.

Adrett mit weißen Hemden gekleidete und Funkgeräten ausgerüstete Neonazis sicherten die braune Tagung gegen mögliche Proteste ab. Örtliche Antifaschisten ordnen die jungen Männer dem Umfeld des „Aktionsbüro Mittelrhein“ zu, dass entlang der Ahr besonders aktiv ist. Die Gruppe unterhält u.a. enge Kontakte zu den „Freien Nationalisten Euskirchen“, der lokalen Neonazi-Kameradschaft im Südwesten NRWs.

Als in Rech am Mittag der Rheinbacher Werner Keweloh, „Bundessprecher“ des „Akademiekreises“ und seit 2009 Mitglied der NPD im Rhein-Sieg-Kreis, die Veranstaltung eröffnete, herrschte im knapp 30 Kilometer entfernten Euskirchen Ratlosigkeit: „Was machen wir jetzt?“ Eine handvoll älterer Anhänger des Diskussionszirkel hatte nicht mehr rechtzeitig vom Ortswechsel erfahren. Die illustre Gesellschaft war am Vormittag weiter in das Ahrtal gelotst worden oder teilweise mit einem Bus nach Rech gefahren.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte der Wirt der Euskirchener Gaststätte auf Hinweise zum Charakter der geplanten Veranstaltung prompt reagiert und den Mietvertrag mit dem „Akademiekreis“ kurzfristig aufgekündigt. An der Ahr ticken die Uhren anders: Von den Betreibern des „Recher Hof“ war trotz jW-Anfrage gestern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu dem Neonazi-Treffen in ihrem Haus zu erhalten.


Organisator Keweloh (links) am Samstag in Rech (Kreis Ahrweiler)

Als Referenten für die Tagung mit dem Titel „Die europäischen Völker und ihre Kultur“ waren u.a. die NPD-Funktionäre Dr. Olaf Rose und Dr. Rigolf Henning angekündigt worden. Der Geschichtsrevisionist Rose ist Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion und vertritt seine Partei im Stadtrat von Pirna, Henning ist Kommunalpolitiker der neonazistischen Partei in Verden (Niedersachsen). Ein Grußwort der „Deutschen aus Russland“ sollte Johann Thießen aus Hürtgenwald halten. Thießen ist Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat‘ der Deutschen aus Russland e.V.“, einer beim Amtsgericht Düren eingetragenen neonazistischen Kleinstorganisation sogenannter „Spätaussiedler“. Und auch Thießen steht der NPD, für die er 2009 zur Wahl des Dürener Kreistages kandidierte, nah. Organisator Keweloh hatte für seine Tagung ursprünglich mit bis zu 160 Teilnehmern gerechnet. Dennoch sind die Aktivitäten des „Akademiekreises“ bislang weder in den Lokalmedien in Euskirchen noch im Kreis Ahrweiler ein Thema. Frei nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Mats Fogeman für die Tageszeitung „junge Welt“ (Ausgabe vom 4. Mai 2011, Textabweichungen sind in der Druckfassung möglich)

Zur Vorgeschichte siehe: Euskirchen: Gastwirt setzt neonazistischen Diskussionszirkel vor die Tür

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