Archiv der Kategorie 'Kreis Düren'

Düren: Rabatt für Neonazi-Schläger

Düren. Ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen einen Neonazi der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) wurde heute vom Amtsgericht Düren – offenbar auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aachen – vorläufig eingestellt.

Denis U. musste sich wegen einer Tat, die sich Ende März 2010 vor einer Gaststätte am Rande der Dürener Innenstadt ereignete, verantworten. Die örtliche Antifa hatte dort eine Kundgebung organisiert, weil sie befürchtete, dass in der Kneipe der monatliche „Stammtisch“ der regionalen NPD stattfinde. Eine Gruppe von fünf KAL-Anhängern versuchte, die Antinazi-Demonstranten zu provozieren. Laut der örtlichen Antifa befanden sich damals auch Falko W. und Daniel T. unter den Neonazis. Die beiden Aachener wurden im Februar u.a. wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen verurteilt.

Als im März 2010 in Düren eine einzelne Person die Rechten passierte, schlug U. unvermittelt und unter den Augen der Polizei zu. Der Neonazi soll bei der heutigen Gerichtsverhandlung, zu der auch zwei Polizeibeamte als Zeugen geladen waren, die Tat zugegeben haben. Er habe aber angegeben, im Affekt gehandelt zu haben, hieß es von Seiten Dürener Neonazi-Gegner.

Lokale Beobachter rechnen U. zum harten Kern der Dürener Neonazi-Szene. Anfang Februar 2009 hat das Landgericht Aachen eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung bestätigt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Neonazi einer jungen Frau vor dem Dürener Kulturzentrum „KOMM“ ins Gesicht geschlagen hatte. Im August 2009 folgte eine Verurteilung vor dem Amtsgericht Düren wegen Volksverhetzung und Sachbeschädigung. Im Januar diesen Jahres wurde U. zudem vom Amtsgericht Aachen wegen des Angriffs auf antifaschistische Demonstration im Jahr 2008 in Aachen und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamthaftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die Urteile sollen noch nicht rechtskräftig sein.

Zeitweise gehörte U. dem Vorstand der Dürener NPD an. Im Herbst 2010 nahm er an einer Tagung neonazistischer „Russlanddeutscher“ in Hattingen teil. (mf)

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Düren: Konzert zum „Tag der Befreiung vom Faschismus“

Düren. Am 8. Mai jährt sich um 66. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit die endgültige militärische Niederlage des Hitlerfaschismus. In den ehemals von den Nazis okkupierten Ländern wird dieser „Tag der Befreiung“ vom 8. Mai 1945 feierlich begangen. In Deutschland sind es vor allem antifaschistische Initiativen, die an diesen Tag errinnern. Am 7. Mai 2011 findet in Düren anlässlich des Datum die 13. Auflage des „Antifa-Festivals“ statt. Seit Anfang der 1990er Jahre werden diese Konzerte – mit einigen Unterbrechungen – von der Antifa Düren organisiert. Damit sind die Veranstaltungen fester Bestandteil des „alternativen“ Dürener Kulturkalenders. In diesem Jahr treten u.a. „Juice Crew“ (Punkrock aus Euskirchen), Beater F. Group (Rock aus Düren), Coconutt Butts (Ska-Punk aus Aachen) sowie Nic Knatterton (Hiphop aus Aachen) auf. Das Festival mit dem Motto „Smash Fascism!“ findet im Jugendzentrum „Multikulti“ im Haus der Stadt (Stolzestraße) statt. Einlass ist um 18:30 Uhr, der Eintritt beträgt 5 Euro. (mf)

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Euskirchen: Gastwirt setzt neonazistischen Diskussionszirkel vor die Tür

Euskirchen. Ein für den kommenden Samstag (30. April) angekündigter „Kongress“ mit dem Titel „Die europäischen Völker und ihre abendländische Kultur“, der in einer Gaststätte in Euskirchen stattfinden sollte, fällt ins Wasser. Der betroffene Wirt reagierte prompt auf Hinweise und setzte die extrem Rechten vor die Tür. Für die Tagung des „Akademiekreises“, einem seit mindestens 2005 aktiven locker organisiertem Diskussionszirkel, rechnete der aus Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) stammende Organisator Werner Keweloh mit bis zu 160 Teilnehmern. Am Mittag hatte das Fachportal „Blick nach Rechts“ berichtet, dass als Referenten der Geschichtsrevisionist Olaf Rose, der seit 2006 für die NPD tätig ist und für die neonazistische Partei im auch Stadtrat des sächsischen Pirna sitzt, sowie Rigolf Henning und Wjatscheslaw Daschitschew auftreten sollten. Henning ist seit 2006 NPD-Stadtrat im niedersächsischen Verden sowie Abgeordneter im Kreistag. Keweloh ist regelmäßiger Referent bei Organisationen aus verschiedenen Spektren der extremen Rechten. Zunächst war er im rechtskonservativen Millieu – etwa der „Deutschen Partei“ aktiv – und wandte sich in den vergangenen Jahren verstärkt dem offen neonazistischen Spektrum zu. Das Infoportal „NRW Rechtsaußen“ berichtete, dass er Ende 2009 in die NPD eingetreten sei.
Ein erste Veranstaltung des „Akademiekreises“ hatte in der betroffenen Gaststätte bereits im November 2010 stattgefunden. „Schon damals hatte ich ein mulmiges Gefühl“, erklärte der Gastwirt. Seine Gäste habe er damals nicht als Neonazis erkannt.
Zu den Referenten am 27. November 2010 zählte u.a. die vorbestrafte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Auch eine Delegation der sogenannten „Russlanddeutschen Konservativen“ um den in Hürtgenwald (Kreis Düren) lebenden Johann Thießen hatte an der Veranstaltung in Euskirchen teilgenommen. Thießen ist Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat‘ der Deutschen aus Russland e.V.“, einer beim Amtsgericht Düren eingetragenen neonazistischen Kleinstorganisation sogenannter „Spätaussiedler“. Insgesamt waren 2010 etwa 60 Teilnehmer nach Euskirchen gekommen.
Heute Nachmittag kündigte der Gastwirt schriftlich den mit Keweloh geschlossenen Mietvertrag. Er sei über die wahren Hintergründe der geplanten Veranstaltung getäuscht worden. „Die kommen hier nicht rein, auch wenn ich die Türen verschließen muss“.
Ob der „Akademiekreis“ kurzfristig neue Räumlichkeiten für seinen „Kongress“ findet ist angesichts der zahlreichen Veranstaltungen am Vorabend des 1. Mai mehr als fraglich. (mf)

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Braune CD-Verteiler stoßen auf Widerstand

Düren. Zwei Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), die heute in Düren CDs verteilten, sind offenbar auf Widerstand gestoßen. Im Bereich der Annakirche sollen sie am frühen Nachmittag die kostenlose Propganda-CD „Jugend in Bewegung“, die u.a. Videos und Musik der Neonazi-Szene enthält, an Jugendliche verteilt haben. Dabei stießen sie örtlichen Nazigegnern zufolge auf Antifaschisten, die den KAL-Aktivisten einen Teil der CDs entrissen. Daraufhin sollen sich die Neonazis in Richtung Kaiserplatz zurückgezogen haben. Das rechte Duo oder weitere Neonazis verteilten in der Dürener Innenstadt auch Werbung für die braunen Aufmärsche, die am 8. und 9. April in Stolberg (Städteregion Aachen) stattfinden sollen. Als eine größere Gruppe Antifaschisten in der City eintraf, hatten die Neonazis ihre Aktion offenbar bereits beendet. In Düren sollen Neonazis in den letzten Tagen zudem zahlreiche Aufkleber verklebt und darüber hinaus rechte Graffitis gesprüht haben. Am Abend fand in der Stadt an der Rur eine kleine antifaschistische Spontandemonstration statt. Fünfzehn Antifa-Anhänger zogen mit einem Transparent und Parolen-skandierend vom Kaiserplatz bis zum Bahnhof. Dort kontrollierten Polizeibeamte, die mit zwei Streifenwagen anrückten, die Personalien zweier mutmaßlicher Demonstranten. (mf)

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Dresden: Neonazis aus der Region Köln an Angriff auf „Praxis“ beteiligt

Dresden / Erftstadt / Köln. In der medialen Berichterstattung über den durch Blockaden tausender Menschen zum zweiten Mal in Folge verhinderten Neonazi-Aufmarsch in Dresden am vergangenen Samstag dominierten Bilder von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und antifaschistischen Gegendemonstranten. Dass es im Dresdener Stadtteil Löbtau zu einem massiven Angriff durch Neonazis auf das linksalternative Wohnprojekt „Praxis“ gekommen ist, wurde häufig nur als Randnotiz gemeldet. Ein Amateurfilmer hatte den minutenlang dauernden Angriff auf das Gebäude dokumentiert. Das Video zeigt, wie Neonazis unter den Augen der Polizei Pflastersteine auf die „Praxis“ werfen und mit Fahnenstöcken Scheiben einschlagen. Anhand der Aufnahmen wurden zwischenzeitlich die ersten Angreifer identifiziert, darunter auch Neonazis aus der Region Köln.

Screenshot aus dem Amateur-Video

Sebastian Z. Aus Erftstadt-Liblar nahe Köln wurde seine Jacke, die er häufig bei der Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen trägt, zum Verhängnis. Anhand des auffälligen Kleidungsstückes mit einer Aufschrift der Neonazi-Gruppe „Freie Kräfte Köln“ und dem Slogan „Good night left side“ wurde er schnell erkannt.

Offenbar befand sich auch der Neonazi Paul Breuer aus Köln-Dellbrück unter den Angreifern. Das Internetportal „NRW rechtsaußen“ schreibt: „Der Kölner Breuer gilt als ‚rechte Hand‘ des Neonazi-‘Führers‘ Axel Reitz und ist ebenso wie ein weiterer neonazistischer Gewalttäter aus Erftstadt, der offensichtlich ebenfalls an der Attacke beteiligt war, Mitglied der ‚Freien Kräfte Köln‘. In Videos, die den Angriff der Gruppe dokumentieren, ist Breuer zu erkennen, wie er mit Armbewegungen Anweisungen an umstehende Neonazis gibt, die immer wieder mit Steinen und Stöcken die Fenster der Häuser attackieren. Deutlich erkennbar ist auch, wie Breuer einen Stein aufhebt und diesen in Richtung Gebäude wirft.“


Der Kölner Paul Breuer (links) in Dresden mit dem mutmaßlichen zweiten Angreifer, Sebastian Z. aus Erftstadt
Foto: http://linksunten.indymedia.org

Die „Praxis“ war schon im vergangen Jahr Ziel von Anschlägen durch mutmaßlich neonazistische Täter. Am 17. August wurden mehrere Scheiben an dem Gebäude mit Pflastersteinen eingeworfen und zwei Tage ein Brandanschlag verübt. Die Bewohner konnten sich alle unverletzt retten. Dem schnellen Eintreffen der alarmierten Feuerwehr war es zu verdanken, dass sich der Sachschaden auf zwei Räume beschränkte.

Sebastian Z. soll auch im Februar 2010 in Dresden an Angriffen durch Neonazis auf ihre Gegner beteiligt gewesen sein. Die örtliche Antifa veröffentliche Fotos, die den Erftstädter in einer Gruppe teilweise bewaffneter Neonazis zeigen. Darunter ist auch der Dürener Denis U. („Kameradschaft Aachener Land“) zu erkennen, der im Januar vom Amtsgericht Aachen u.a. wegen schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wurde. (mf)

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Castortransport: Jülich soll Atommüll behalten

In Nordrhein-Westfalen formiert sich Widerstand gegen die geplanten Castortransporte aus dem Forschungszentrum Jülich nach Ahaus. Am Sonntag demonstrierten Rund 500 Kernkraftgegner in Jülich. Neben Aktivisten aus Umweltinitiativen folgten vor allem Anhänger der Linkspartei und der Grünen dem Aufruf des Mitte Januar gegründeten Aktionsbündnisses »Stop Westcastor«. In Jülich lagern 152 Behälter verbrauchte Brennelementekugeln, eine Altlast des Versuchsreaktors der AVR Jülich GmbH. Die Anlage war zwischen 1967 und 1988 in Betrieb und soll bis 2015 zurückgebaut werden. Der Atommüll soll im Laufe des Jahres in das Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Atomkraftgegner bezweifeln allerdings, daß die Lagerung in Ahaus sicherer als in Jülich sei und befürchten Risiken für Mensch und Umwelt durch unnötige Transporte.

Siegfried Faust, Sprecher des Aktionsbündnisses, forderte am Wochenende, der hochradioaktive Müll müsse in Jülich verbleiben, bis eine Lösung für die sichere Endlagerung gefunden sei. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko (Die Linke) kritisierte, es gäbe kein Konzept, um mit dem Erbe des Atomzeitalters dauerhaft umzugehen. »Es ist gut und richtig, daß die Menschen immer wieder gegen die unsinnigen Transporte demonstrieren.« Unterstützung erhielten die Aktivisten auch aus dem Münsterland. Heiner Möllers, Sprecher der Bürgerinitiative »Kein Atommüll in Ahaus« warf den Verantwortlichen des Forschungszentrums vor, aus Imagegründen zu handeln. »Wir werden uns vehement gegen die Transporte wehren«, sagte Möllers. Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, bezeichnete es als unverantwortlich, den Menschen im Münsterland den in Jülich produzierten Müll »vor die Füße zu werfen«, und sprach sich ebenfalls für eine dauerhafte Zwischenlagerung im Forschungszentrum aus.

Von Mats Fogeman für die Tageszeitung „Junge Welt“ (Ausgabe vom 1.2.2011)

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