Archiv der Kategorie 'Rhein-Erft-Kreis'

Erftstadt-Herrig: Antifa verhindert rechte „Mahnwache“

Erftstadt. Die Antifa in Erftstadt hat eigenen Angaben zufolge am gestrigen Samstag eine „Mahnwache“ für den umstrittenen Peter Mörs verhindert. Im Stadtteil Herrig hätten sich spontan rund zwei Dutzend Antifaschisten am Peter-Mörs-Platz versammelt und so ein Treffen von Mörs-Fans unterbunden.

Hintergrund der Aktion ist offenbar eine Auseinandersetzung über die Rolle Mörs in der Zeit des Hitlerfaschismus. Der 2008 verstorbene Mörs war von 1974 bis 1989 Ortsvorsteher in Herrig und gehörte für die CDU mehr als 20 Jahre dem Rat des Amtes Lechenich bzw. später dem Stadtrat von Erftstadt an. „Peter Mörs steht stark im Verdacht sich aktiv an der Deportationen von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus beteiligt zu haben. Das teilten uns Anwohner mit, die namentlich nicht genannt werden wollen“, erklärte Luca Plette. Pressesprecherin der Antifa Erftstadt.

Antifa-Protest in Erftstadt-Herrig

Auf Antrag der CDU war der Platz in Herrig 2009 nach Peter Mörs benannt worden. Zu der für gestern geplanten „Mahnwache“ unter dem Motto „Für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Geschichte!“ war im Vorfeld mit anonymen Flugblättern geworben worden. Der Aufruf gegen den angeblichen „Rufmord“ an Mörs war in einem einschlägig rechten Duktus verfasst. Unter anderem hieß es: „Selbst wenn es stimmen würde, dass Mörs in der SA tätig war, so interessiert das die heutige junge Generation nicht mehr. Außerdem ist es irrsinnig, einen Polizisten für seinen Dienst zu kritisieren. Der Krieg ist seit 66 Jahren vorbei und man muss endlich aufhören, fremdbestimmt die Heimat zu beschmutzen und seine eigene Identität zu verleugnen.“ Daher würden sich „Jugendliche und junge Erwachsene, Deutsche, denen ihre Heimat nicht egal ist“ zur „Mahnwache“ für den „Ehrenmann“ Mörs treffen.

Marcel Schrink von der Antifa Erftstadt warf den Autoren des Aufrufs zur Mahnwache Nähe zur neoanzistischen Ideologie vor: . „Neonazis sehen die ‘deutsche Identität’ als von den Alliierten ‘fremdbestimmt’ an. Nicht nur sprachlich,sondern vor allem auch inhaltlich, ist der Aufruf also dem politisch extrem rechten Rand zuzuordnen!“ „Wann immer der Nationalsozialismus verherrlicht, ein Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit gezogen oder Nationalismus propagiert wird, werden wir unseren Protest zeigen“, erklärte Luca Plette.

Der spontane Protest in Herrig sei Auftakt der Kampagne „…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“ gewesen. Diese ziele darauf ab, ,,Neonazis und ihre soziale Verankerung öffentlich zu benennen, sowie Impulse für die antifaschistische Praxis zu liefern.“ (mf)

Diesen Beitrag teilen:
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Netvibes
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Yahoo! Buzz
  • Yigg
  • Facebook

Köln: Schüler demonstrieren für David Berger

Köln / Erftstadt. Rund 400 Teilnehmer zählten die Organisatoren der Demonstration „Gegen Ho­mo­pho­bie und Fun­da­men­ta­lis­mus – So­li­da­ri­tät mit David Ber­ger!“, die heutige Nachmittag und am frühen Abend vom Dom durch die Kölner Innenstadt zog. Es waren vor allem Schülerinnen und Schüler aus Erftstadt, die ihren Unmut über den Entzug der Lehrerlaubnis David Bergers durch Kardinal Joachim Meisner äußerten. Wie berichtet, hatte Meisner Anfang Mai dem schwulen Theologen und Buchautoren Berger untersagt, weiterhin am Ville Gymnasium in Erftstadt katholische Religion zu unterrichten. Als Rednerin trat heute u.a. die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann auf. Der Amtssitz Meisners wurde von einigen Beamten der Bereitschaftsspolizei „bewacht“ – ein Bild, dass man in Köln nicht häufig sieht.

Ein längerer Text folgt ggf. in den nächsten Tagen

Fotos

Diesen Beitrag teilen:
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Netvibes
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Yahoo! Buzz
  • Yigg
  • Facebook

Köln: Schüler-Demonstration gegen Kardinal Meisner

Köln / Erftstadt. Das durch den Kölner Kardinal Joachim Meisner verhängte Lehrverbot gegen den schwulen Theologen David Berger hat mediale Wellen geschlagen. Am heutigen „Internationalen Tag gegen Homophobie“ will ein Bündnis aus Schülerinnen und Schüler des Ville Gymnasium der Stadt Erftstadt in Köln unter dem Motto „Gegen Homophobie und Fundamentalismus – Solidarität mit David Berger!“ demonstrieren.

Die Aktion, zudem die Organisatoren mehrere hundert Teilnehmer erwarten, beginnt um 16 Uhr auf dem Vorplatz des Kölner Haupbahnhofes. Anschließend folgt eine Demonstration durch die Innenstadt. „Unser Demonstrationszug wird auch am Dienstsitz von Kardinal Meisner in der Marzellenstraße vorbeiziehen“, erklärte Bündnis-Sprecherin Anna Schmitz. „Unser Protest richtet sich nicht nur gegen diese eine Entscheidung Meisners, sondern vor allem auch gegen die alltägliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben“, betonte der 18-jährige Schüler Max Heinemann gegenüber „Seismograph“. Im Aufruf des Bündnisses wird kritisiert, dass Religion im Allgemeinen und der Einfluss religiöser Fundamentalisten im Besonderen die freie Entfaltung menschlicher Bedürfnisse behindere. Der „Hasspredigier“ (Volker Beck) Joachim Meisner ist wegen seiner besonders reaktionären Positionen umstritten.

Unterstützt wird der Aufruf zur Demonstration u.a. vom Kölner Kreisverband von Bündnis 90 / Die Grünen. Mit Volker Beck konnten die Organisatoren einen prominenten schwulen Politiker als „Schirmherr“ gewinnen.

Anfang Mai war dem Erftstädter Pädagogen durch den Kölner Kardinal Joachim Meisner die Lehrerlaubnis für den katholischen Religionsunterricht entzogen worden. Der Kölner Erzbischof habe sich zum Entzug der sogenannten „missio canonica“ gezwungen gesehen, hieß es in einem Bericht des „Kölner Stadtanzeigers“. Das Erzbistum habe erklärt, dass Berger durch seine Veröffentlichungen und Äußerungen in den Medien selbst den Anschein erweckt habe, „in Lehre und Lebensführung mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche nicht übereinzustimmen“. Berger übte bis zu seinem Outing Aufgaben und Funktionen am rechten, traditionalistischen Rand der katholischen Kirche aus. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Autor des Enthüllungsbuches „Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“ (erschienen im November 2010) bekannt. (mf)

Zum Thema „Religiöser Fundamentalismus“ in Köln siehe auch:

Fundamentalistische „Piusbruderschaft“ zieht nach Köln-Kalk -> http://seismograph.blogsport.de/2011/05/05/fundamentalistische-piusbruderschaft-zieht-nach-koeln-kalk/

Diesen Beitrag teilen:
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Netvibes
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Yahoo! Buzz
  • Yigg
  • Facebook

Dresden: Neonazis aus der Region Köln an Angriff auf „Praxis“ beteiligt

Dresden / Erftstadt / Köln. In der medialen Berichterstattung über den durch Blockaden tausender Menschen zum zweiten Mal in Folge verhinderten Neonazi-Aufmarsch in Dresden am vergangenen Samstag dominierten Bilder von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und antifaschistischen Gegendemonstranten. Dass es im Dresdener Stadtteil Löbtau zu einem massiven Angriff durch Neonazis auf das linksalternative Wohnprojekt „Praxis“ gekommen ist, wurde häufig nur als Randnotiz gemeldet. Ein Amateurfilmer hatte den minutenlang dauernden Angriff auf das Gebäude dokumentiert. Das Video zeigt, wie Neonazis unter den Augen der Polizei Pflastersteine auf die „Praxis“ werfen und mit Fahnenstöcken Scheiben einschlagen. Anhand der Aufnahmen wurden zwischenzeitlich die ersten Angreifer identifiziert, darunter auch Neonazis aus der Region Köln.

Screenshot aus dem Amateur-Video

Sebastian Z. Aus Erftstadt-Liblar nahe Köln wurde seine Jacke, die er häufig bei der Teilnahme an neonazistischen Demonstrationen trägt, zum Verhängnis. Anhand des auffälligen Kleidungsstückes mit einer Aufschrift der Neonazi-Gruppe „Freie Kräfte Köln“ und dem Slogan „Good night left side“ wurde er schnell erkannt.

Offenbar befand sich auch der Neonazi Paul Breuer aus Köln-Dellbrück unter den Angreifern. Das Internetportal „NRW rechtsaußen“ schreibt: „Der Kölner Breuer gilt als ‚rechte Hand‘ des Neonazi-‘Führers‘ Axel Reitz und ist ebenso wie ein weiterer neonazistischer Gewalttäter aus Erftstadt, der offensichtlich ebenfalls an der Attacke beteiligt war, Mitglied der ‚Freien Kräfte Köln‘. In Videos, die den Angriff der Gruppe dokumentieren, ist Breuer zu erkennen, wie er mit Armbewegungen Anweisungen an umstehende Neonazis gibt, die immer wieder mit Steinen und Stöcken die Fenster der Häuser attackieren. Deutlich erkennbar ist auch, wie Breuer einen Stein aufhebt und diesen in Richtung Gebäude wirft.“


Der Kölner Paul Breuer (links) in Dresden mit dem mutmaßlichen zweiten Angreifer, Sebastian Z. aus Erftstadt
Foto: http://linksunten.indymedia.org

Die „Praxis“ war schon im vergangen Jahr Ziel von Anschlägen durch mutmaßlich neonazistische Täter. Am 17. August wurden mehrere Scheiben an dem Gebäude mit Pflastersteinen eingeworfen und zwei Tage ein Brandanschlag verübt. Die Bewohner konnten sich alle unverletzt retten. Dem schnellen Eintreffen der alarmierten Feuerwehr war es zu verdanken, dass sich der Sachschaden auf zwei Räume beschränkte.

Sebastian Z. soll auch im Februar 2010 in Dresden an Angriffen durch Neonazis auf ihre Gegner beteiligt gewesen sein. Die örtliche Antifa veröffentliche Fotos, die den Erftstädter in einer Gruppe teilweise bewaffneter Neonazis zeigen. Darunter ist auch der Dürener Denis U. („Kameradschaft Aachener Land“) zu erkennen, der im Januar vom Amtsgericht Aachen u.a. wegen schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wurde. (mf)

Diesen Beitrag teilen:
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Netvibes
  • Technorati
  • Webnews.de
  • Yahoo! Buzz
  • Yigg
  • Facebook